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Für die Homepage der Starnberger evangelischen Gemeinde schreibe ich immer wieder kurze monatliche Kolumnen. Deren Sammlung nach dem Zeitpunkt der Veröffentlichung finden sie hier.


Verfasst im Mai 2018

Über den Maibaum

Über den Maibaum

Die Sprache ist die Fähigkeit uns auszudrücken. Zugleich gibt es seit einigen Jahren Überlegungen, die zuerst etwas seltsam anmuten, dass nämlich auch Bäume wenn schon nicht sprechen, so dann doch sich ausdrücken können. Zu hören ist dabei für unsere Ohren freilich nichts, Bäume sind leise. Bäume reden durch ihren Duft und kommunizieren mit ihrer geheimen Duftsprache für uns eher unterbewusst. So warnt ein Baum den anderen, wenn an ihnen von Käfern herumgeknabbert wird. Das Tempo, das Bäume dabei anwenden, ist freilich nun auch wieder typisch. Sie „sprechen“ mit einem Tempo von einem Zentimeter pro Minute. Und das ist schon ihre Höchstgeschwindigkeit (vgl. Wohlleben, S. 14f) auch in der Not.

Der Maibaum hat daneben die Symbolsprache, um sich auszudrücken. Schon beiden den alten Römern ist er nachzuweisen. Das älteste deutsche Zeugnis über den Maibaum stammt ausgerechnet aus Aachen (vgl. RGG3 Band IV, Sp. 609f), das bekanntlich bei Würselen liegt. Das Wort Maibaum ist „die zusammenfassende Bezeichnung für allerlei Bäume und Zweige, die bei Frühlingsfesten zur Verehrung der Fruchtbarkeit von Mensch, Tier und Feld rituelle Verwendung finden. Der frisch grünende Baum ist in besonderem Maße“ – das Zitat ist nicht das allerneuste – „mit wachstumsfördernder Kraft geladen, die es nutzbar zu machen gilt“ (RGG2 Band III, Sp. 1857).

Weil die meisten der Anwesenden jedenfalls in der Höhe ja durchaus ausgewachsen sind, gilt unsere Aufmerksamkeit heute der qualitativen Wachstumskraft des Maibaums und seines Festes. Wir segnen heute durch diesen Baum die Lebensfreude, der sich an ihm festmachen lässt und die Gemeinschaft, die er stiftet, wo er die Menschen fröhlich, friedlich, gerne ausgelassen, tanzend, singend, nicht zu betrunken, einander bajuvarisch zugewandt begegnen lässt: freundlich gegen Freunde und Fremde, grantelnd gegen Engstirnige.

Wir sprechen von Gottes Segen für die Lust am Leben, die sich auch daran festmachen lässt, dass man beieinander bleibt, auch wenn es einem einmal nicht so fröhlich zumute ist, die aufeinander achten hilft, wenn sich jemand unbegründet zurückzieht, weil er oder sie Kummer hat in der Liebe, mit dem Lebensglück, dem falschen Freund, mit dem blöden Geld, der buckligen Verwandtschaft, oder der Gesundheit.

Gottes Segen wird nicht alles zum Guten wenden, was wir verbocken. Aber Gottes Segen soll uns aufhelfen, wenn‘s verbockt ist, in Wahrheit einen neuen Anfang zu machen. Und Gottes Segen soll hier und da die Einsicht schaffen, was wir alle dazu beiztragen können, dass man‘s nicht zu sehr verbockt, sondern genießt und gönnt und teilt. Eben die Form von Gemeinschaft, die uns gemäß ist. Gottes Segen dazu.

Quellen:

  1. P. Wohlleben, Das geheime Leben der Bäume. Was sie fühlen, wie sie kommunizieren – die Entdeckung einer verborgenen Welt, München 2013, S. 14ff.
  2. L. Röhrich, Art. Maibaum, in: RGG, dritte, völlig neu bearbeitete Auflage, Vierter Band Kop - O, Tübingen 1960, Sp. 609f.
  3. O. Rühle, Art. Maibaum, in: RGG, zweite, völlig neubearbeitete Auflage, Dritter Band, Tübingen 1927, Sp. 1857.


Pfarrer Dr. Stefan Koch


Verfasst im April 2018

Hinaus!

Mit Ostern wird das Christentum mobil

Mit Ostern wird das Christentum mobil. Und so geht es in den Wochen des Monats April zum Glück auch sonst vielen Menschen. Es treibt uns hinaus aus den eigenen vier Wänden, in die Natur, die trotz gelegentlichem Aprilwetter mit Sonne, frischer Luft und jungen Grün aufwartet. Mein erster Osterspaziergang führte mich in diesem Jahr in den Bernrieder Park. Eine Bank dort lud mich zum sonnigen Verweilen und Ausruhen nach den Osternächten ein.

Den ersten frühlingshaften Spaziergang an Ostern hat Goethes Drama „Faust I“ in der Szene „Vor dem Tor“ unsterblich gemacht. Er beginnt mit der poetischen Beobachtung, die man freilich auch in diesem Jahr machen konnte: „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche / Durch des Frühlings holden, belebenden Blick, / Im Tale grünet Hoffnungsglück; / Der alte Winter, in seiner Schwäche, / Zog sich in rauhe Berge zurück.“ Vom Bernrieder Park und seinen Bänken sind die rauhen Berge ja besonders schön zu sehen.

„Osterspaziergang“ heißt auch ein amerikanisches Musical (‚Easter Parade‘, 1948). Das Drama entwickelt sich von Ostern 1912 bis Ostern 1913 in New York. Freilich wurde die etwas vorhersehbare Handlung erst durch die Filmmusik von Irving Berlin zum Erfolg und bescherte dem Komponisten 1949 einen Oscar: Als der berühmte Tänzer (im Film Fred Astaire) erfährt, dass seine Partnerin nun eine Solokarriere beginnt, sucht er Trost im Sarkasmus. Angetrunken behauptet er, er könne aus irgendjemandem eine bessere Tanzpartnerin für ihn formen. Die erstbeste Tänzerin der Truppe des Lokals, eigentlich Sängerin (im Film Judy Garland), genügt ihm zum Beweis. In den bald beginnenden Proben versucht er, das Original seiner früheren Partnerin durch die neue Elevin zu duplizieren. Solch ein Vorhaben kann nur scheitern, der Versuch misslingt gehörig, das neue Programm fällt beim Publikum durch, und unser Held verliebt sich auch noch in die neue Partnerin. Als die freilich ihre sängerischen und komödiantischen Stärken ausspielen darf, wendet sich beruf-lich das Blatt. Und das Tanzpaar findet auch im richtigen Leben zueinander. Am Abend der rauschenden Premiere trifft das junge Glück zufällig die frühere Tanzpartnerin. Eifersüchtig fordert die den alten Partner zum Tanz, woraufhin die Neue wütend-weinend den Saal verlässt. Erst der baldige Osterspazierganz mitten durch New York bringt sie wieder zueinander und tänzerisch gehörig in Schwung …

Das Johannesevangelium im Neuen Testament liefert eine weitere Motivation für den Weg ins Freie, nun endlich mit einer explizit christlichen Begründung. Was vorher nur verklausuliert als Auferstehungserfahrung durchscheinen sollte, wird jetzt vom österlichen Jesus zu seinen Jüngern wörtlich gesagt: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“ (Johannes 20,21).

Der genuin christliche Osterspaziergang dient nicht nur dazu, die Jünger durch die frische Luft vom Hausstaub zu befreien. Sondern dieser Osterweg hat ein sehr konkretes Ziel. Jesus sendet damals seine Jünger und heute uns, um den Menschen die Botschaft der Auferstehung weiterzusagen. Das beginnt mit einem „frohe Ostern“ als munterem Gruß. Und mündet darin, Menschen für ihr weiteres Leben in Stand zu setzen, die Zukunft in freier Verantwortung aus Gottes Hand anzunehmen, sich von vergangenen Lasten befreien zu lassen und neue Bürden möglichst gar nicht erst zu schultern, wo die untragbar sind …

Schön, wenn unser explizit christlicher Weg seit Ostern wie im Musical auch etwas Tänzerisches, Singendes und womöglich verschmitzt Lächelndes hat. Gut, wo er wie bei Goethe dem Winter im Leben und in der Natur seine Grenzen aufzeigt. Wenn er nur das Ziel im Blick behält: wir sind unterwegs im Namen Jesu, um seine Botschaft weiterzutragen, dass Gott für alle Menschen den Tod besiegt hat …

Pfarrer Dr. Stefan Koch


Verfasst im Februar 2018

"Faschingsferien, Fasten und Exerzitien"

Rosenmontag – Faschingsdienstag – Aschermittwoch

Rosenmontag – Faschingsdienstag – Aschermittwoch – kaum eine Zeit in der zweiten Hälfte des Winters ist so ritualisiert wie das Ende der „tollen Zeit“. An den Abenden laufen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen die Prunksitzungen aus Mainz, Köln und Düsseldorf. Rosenmontag und Faschingsdienstag sind die Tage der großen Umzüge durch die Innenstädte. Am Aschermittwoch ist dann angeblich „alles vorbei“. Eigentlich ist damit aber nur die Schwelle betreten, die in die folgende Zeit hineinführt. Ein weiterer Schritt sollte folgen, um sie zu überschreiten …

Die Schulen nutzen die gesetzlich freien Tage des Faschings zum Atemholen, in Bayern sind diese Tage unterrichtsfrei. Lehrerinnen und Lehrer schnaufen nach dem Zwischenzeugnis noch einmal durch, bevor das zweite Halbjahr beginnt. Skifahrer freuen sich auf Pistenzeit jenseits des Wochenendes, wissen aber, dass viele in dieser Zeit an den Hängen und auf den Straßen unterwegs sind. Im offiziellen Kalender heißt diese Zeit „Winter-“ oder „Frühjahrsferien“, so als könnte man sich nicht so recht zwischen den Jahreszeiten entscheiden.

Auch kirchlich markieren diese Tage eine Zeit des Übergangs. In der Katholischen Kirche werden die 40 Tage bis Ostern offiziell „österliche Bußzeit“ genannt, protestantisch ist von der „Passionszeit“ die Rede, orthodox spricht man von einer der „großen Fastenzeiten“.

Zweck eines Fastens in dieser Zeit ist nach offizieller lutherischer Überzeugung „den alten Adam zu zähmen“ (so die Bekenntnisschriften unserer Evangelisch Lutherischen Kirche, BSLK, S. 302), ein Fasten wird insbesondere zur Vorbereitung auf das Heilige Abendmahl empfohlen. Als kirchliches Gebot kann ein Fasten freilich nicht gelten: „Fasten und leiblich sich bereiten ist wohl eine feine äußerliche Zucht“ (BSLK, S. 521). Wer fastet, tut das nicht, um Gott zu gefallen, sondern um mit sich selbst wieder besser ins Lot zu kommen und frei von eigenen Zwängen zu werden, soweit das in unserer Hand liegt.

Zur Vorbereitung auf Ostern dienen in diesem Jahr auch wieder die „Ökumenischen Exerzitien im Alltag“, die am 20. Februar 2018 ab 20 Uhr im katholischen Gemeindezentrum in der Mühlbergstraße 6 in Starnberg beginnen. Jeden Dienstag in der Passionszeit begleiten die katholische Religionspädagogin Veronika Pfefferer-Kraft und ich eine feste Gruppe (Anmeldung im Pfarramt) auf einem sehr persönlichen Weg des Nachdenkens. In diesem Jahr geht es bei den Exerzitien um das Thema „Suche Frieden“, gewiss auch den inneren Frieden mit mir selbst.

Pfarrer Dr. Stefan Koch

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