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Für die Homepage der Starnberger evangelischen Gemeinde schreibe ich immer wieder kurze monatliche Kolumnen. Deren Sammlung nach dem Zeitpunkt der Veröffentlichung finden sie hier.


Verfasst im August 2020

Andere und sich selbst „sanft anstupsen“

Andere und sich selbst sanft anstupsen Stellen Sie sich vor, sie würden eine Kantine betreiben. Und sie dürften nicht nur über die Auswahl der Speisen, sondern auch über deren Präsentation frei entscheiden. Zugegeben, ihre Besucherinnen und Besucher würden natürlich ein gehöriges Wörtchen mitreden, was sie gerne essen mögen und sich grundsätzlich natürlich immer das aussuchen, was ihnen am besten schmeckt. Bevor Sie nun die Speisen in der Essensausgabe positionieren, hier noch ein kleiner Tipp: Im Einzelhandel ist der Platz in den Regalen hart umkämpft. Am meisten Kaufchancen hat, was in durchschnittlicher Griffhöhe liegt. Die Produkte, nach denen man sich bücken oder recken muss, werden kaum von unentschlossenen Kundinnen und Kunden in den Einkaufskorb gelegt. Und auch in Ihrer Kantine ist es am Ende so: die meisten Menschen nehmen bei der Essensauswahl
an sich, was in Griffhöhe bereit liegt. Und da nun beginnt Ihre unterstützende Gestaltungsmöglichkeit a la „Menschenregierungskunst“ (Michel Foucault). Denn Sie könnten es den Menschen jetzt ganz einfach machen, nach dem zu greifen, was am besten – natürlich nach freier Wahl der Leute, die danach greifen – für die Menschen ist, also am gesündesten, am wenigsten zuckrig, am wenigen rotfleischlastig …
Diese simple Präsentationstechnik heißt in der Fachsprache der Soziologie „nudging“, was sich am besten mit „anstupsen“ übersetzen lässt. Theoretisch ist dieses Anstupsen eine gute Gelegenheit, die Wahlfreiheit eines Menschen mit dem Impuls zu versehen, sich für das Richtige zu entscheiden. Man weiß nicht immer, was das Richtige für andere Menschen darstellt? Mindestens wissen wir, was gesünder ist, nachhaltiger erzeugt, gerechter gewirtschaftet ... Und auch wenn wir nicht immer das Optimum des Guten für die Menschen erreichen, so können wir uns doch darauf verständigen, was für sie besser ist. In der Politik wird dieses „Anstupsen“ intensiv genutzt. In der Kirche scheint es noch kaum angekommen.
Wie könnten wir Sie anstupsen, beim nächsten Griff ins Bücheregal der Bibliothek oder des Buchladens nach einem Titel zu greifen, der Sie interessieren sollte, weil er Sie mit der Gelegenheit beschenkt, unterhaltsam über den Sinn des Lebens nachzudenken? Und wie könnten wir Ihre Nachbarn anstupsen, beim nächsten Planen des Sonntags mit der Familie darüber ernsthaft nachzudenken, den Tag mit dem Besuch des Gottesdienstes in der Friedenskirche zu beginnen?
Oder mindestens das kurze Video auf der Homepage zu schauen, auf der Sie schon angekommen sind, wenn Sie diese Zeilen? Wir sollten wir junge Familien anstupsen, ihr Kind nun doch taufen zu lassen und unter den Segen Gottes zu stellen – weil es etwas Besseres als diesen Segen für einen Menschen gar nicht gibt?
Mit einigen interessierten Zeitgenossinnen und Zeitgenossen habe ich in diesem Sommer im Biergarten hinter der Friedenskirche einmal über verschiedene „Menschenregierungskünste“ wie eben das Anstupsen diskutiert. Im Ergebnis waren wir uns überraschend einig: es dürfte gerne ein bisschen mehr Impulse geben, das Gute im Leben wirklich zu suchen und zu ergreifen, nicht nur aus dem Bereich der Politik …

Ihr
Pfarrer Dr. Stefan Koch



Verfasst im Juni 2020

„Du allein kennst das Herz aller Menschen“

Du allein kennst das Herz aller Menschen Zuallererst denke ich an Kinder. Wenn die lieben Kleinen unverfälscht vor sich hin spielen und dadurch ihre täglich größer werdende Welt immer weiter entdecken, sind sie da nicht ein Bild für die Unschuld? Wobei viele Eltern diesen Eindruck gewiss rasch aufgrund eigener Erfahrung zu ergänzen oder gar zu korrigieren wissen … Dann fällt mir die Sintflutgeschichte des Alten Testaments in der Bibel ein, in der etwas resigniert nach dem Zurückweichen der weltweiten Wasser konstatiert wird, dass des Menschen Herz böse sei von Jugend an (1. Mose 8,21b), woran offensichtlich auch die Vernichtung allen Lebens außerhalb der Arche nichts geändert hat … Und noch im Neuen Testament wird daran angeknüpft, wenn Jesus die Jünger belehrt: „Versteht ihr nicht, dass alles, was zum Mund hineingeht, das geht in den Bauch und wird danach in die Gru-be ausgeleert? Was aber aus dem Mund herauskommt, das kommt aus dem Herzen, und das macht den Menschen unrein. Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis, Lästerung. Das sind die Dinge, die den Menschen unrein machen. Aber mit ungewaschenen Händen essen macht den Menschen nicht unrein“ (Evangeli-um nach Matthäus 15,17-20).

In Zeiten von Corona und der eigentlich schon immer empfohlenen Handhygiene klingt das fast noch naiv, wo mittlerweile das Singen als Mutter aller Ansteckungsgefahr identifiziert wurde. Aber dann passt es auch wieder, wenn es darum geht, was Menschen einander mit Worten an Unrat und Gift zuwerfen können. Immer wieder bekommt man mit, wie Situationen verbal ent-gleisen, zuletzt von mir erlebt im Franz-Marc-Museum in Kochel, als eine Aufsicht führende Person sich nach einem heftigen Wortwechsel nicht anders zu helfen wusste, als die Dame mit dem verrutschten Mundschutz und der gerade genutzten Handykamera des Hauses zu verwei-sen, was diese nur unter großer verbaler Empörung akzeptierte. Nicht umsonst gilt schon der Geifer der Soldaten in der Passionsgeschichte (Evangelium nach Matthäus 27,30), die Jesus ver-höhnen und anspucken, als eine der ‚arma Christi‘, also als eines der Marterwerkzeuge, die in manchen Kirchenfenstern die Passion Jesu illustrieren.

Der biblische Monatsspruch für den Juni lautet in deutscher Übersetzung: „Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder“ (1. Buch der Könige 8,39). An dieser Stelle wird die menschliche Reinheit und eben auch die Unreinheit auf der ganz großen theologischen Bühne verhandelt. Gerade wurde der Tempel in Jerusalem eingeweiht, nun stellt sich die Frage, wie der Tempel das bleiben kann, was er ist, Haus des Heiligen, Haus Gottes, wenn in ihm Menschen eintreten, um ihren Priesterdienst zu tun und zu Gott zu beten … wenn sie dort ihre Sünden bekennen und um Vergebung bitten … wenn angesichts einer Hungersnot oder Pandemie ein Bittgottesdienst nötig wird … wenn ein Fremder den Tempel betritt, dem die lokalen Frömmigkeitsregeln und Bede-ckungsvorschriften nicht vertraut sind … wenn das Volk sich für den (angeblich) Heiligen Krieg rüstet … Die Bitte an Gott ist dann: „so wollest du hören im Himmel, an dem Ort, wo du wohnst, und gnädig sein und schaffen, dass du jedem gibst, wie er gewandelt ist, wie du sein Herz er-kennst – denn du allein kennst das Herz aller Menschenkinder“ (8,39). Gott möge hinter allen Anliegen, die vor ihn gebracht werden, durch den Blick in das Herz der Menschen erkennen, was mit dem Gesagten gemeint ist und dann so helfen, wie es nötig ist.

Uns, die wir diesen schönsten Blick des Lebens eigentlich nur von dem Menschen geschenkt bekommen haben, der uns sein Herz in Liebe anvertraut hat, empfehle ich derweil, solange wie möglich davon auszugehen, dass in jedes Menschen Herz immer noch etwas Gutes steckt, das manchmal freilich sehr mühevoll zu entdecken ist und unter erheblichem Schorf verborgen schlummert scheint. Aber wenn sogar der Erzbösewicht Darth Vader aus der Kultfilmen STAR WARS durch seinen Sohn zum Guten zurückgebracht werden kann, dann wird es auch Jesus Christus möglich ein, das menschliche Herz durch das Kreuz zum Guten zurückzubringen, und uns allen zu einem Leben zu verhelfen, dass immer mehr von Liebe und Frieden geprägt wird.

Ihr
Pfarrer Dr. Stefan Koch



Verfasst im Mai 2020

Strampeln

Strampeln Ich war anfangs versucht, in dieser kurzen Kolumne gar nichts über die Corona-Pandemie zu schreiben, über die man bis vor wenigen Tagen überall alles nachlesen und hören konnte. Mittlerweile geht die Zahl der Meldungen und die damit offensichtlich verbundene Aktualität des Themas erkennbar zurück. Zugleich beschränkt sich mein Wissen auf die Meldungen im Radio und in den gedruckten Zeitungen, den Fernseher habe ich schon seit Jahren nicht mehr im Betrieb. Aber man hört ja auch, wenn man in den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, genug durch die Menschen, die sich über die aktuelle Situation unterhalten und sogar lauthals über Verschwörungstheorien austauschen. In den vergangenen Tagen meiner häuslichen Haft als Kontaktperson I habe ich das Büchlein „Quarantäne! Eine Gebrauchsanweisung. So gelingt friedliches Zusammenleben zu Hause“ von Pater Anselm Grün gelesen, das auf Bitten des Herder-Verlagschefs in den letzten Wochen schnell auf den Markt gebracht wurde. Auf 94 Seiten in acht kurzen Kapiteln will der Münsterschwarzacher Benediktiner „die Erfahrungen, die wir Mönche seit mehr als 1500 Jahren gemacht haben und die heute wirklich konkret helfen können, teilen“ (Zitat Buchumschlag hinten).

Es fängt gut an, wenn Pater Anselm auf drei zentrale Kriterien hinweist, die in der Ordensregel aufgeführt werden, um Novizen – Neuankömmlingen im Kloster – das Eingewöhnen zu erleichtern: man möge prüfen, ob sie Eifer haben für den Gottesdienst (den sie fünfmal täglich im Stundengebet besuchen, seit 10. Mai ist nun auch wieder Gottesdienst in der Friedenskirche in Starnberg), ob sie bereit sind zu gehorchen (dem Abt und der Regel des Ordensgründers Benedikt von Nursia) und ob sie fähig sind, „Widerwärtiges“ zu ertragen. Der Autor legt Letzteres dahingehend aus, dass wir Menschen offen sein sollen dafür, Emotionen zu zeigen und zu verstehen. Und das fängt ja schon im Kindergarten an, in dem wir den Kleinsten vorleben und ihnen verstehbar machen wollen, wie sich Angst, Wut und Freude bei uns selbst anfühlen. Gut, wenn wir unsere Gefühle kennen, ideal wäre es, sie auch körperlich aktiv zu spüren. Die Freude zeigt sich besonders, wenn wir tief ein- und ausatmen und sich der Brustkorb hebt und senkt. Erregung spüren wir oft am besten im Zwerchfell, Neid im Schulterbereich …

Die konkreten Beispiele, die das Quarantäne-Buch dann auflistet, wie man körperlich und geistig in Bewegung bleibt, wenn man doch in Quarantäne sitzt, haben mich hingegen weniger überzeugt. Der Rat, sich zu bewegen hat mir jedenfalls verdeutlicht, wie sehr ich es vermisse, mich auf mein Radl zu schwingen und eine Stunde oder zwei durch die Landschaft zu strampeln; einmal Tutzing und zurück sind rund 90 Minuten …
Immerhin ist mir beim Lesen – und eigentlich dann beim Abschweifen von der konzentrierten Lektüre – eingefallen, dass wir unsere traditionelle meditative Wanderung am Pfingstmontag in diesem Jahr ja auch auf dem Fahrrad unternehmen könnten. Es ist noch ein bisschen Zeit, eine Route zu überlegen und vorab abzufahren, aber Sie könnten den Drahtesel schon einmal schrubben und gegebenenfalls die Reifen aufpumpen, damit wir dann am ersten Tag nach dem Mai miteinander unterwegs sein können und uns den Pfingstgeist als Fahrtwind um die Nase wehen lassen …

Ihr
Pfarrer Dr. Stefan Koch



Verfasst im April 2020

Wäre sogar einmal ein Scherz erlaubt?

Spurensuche nach mehr Leben, Liebe und Glauben In diesen Zeiten ist vielen Menschen das Lachen vergangen. Dabei täte es gut, unser Zwerchfell von Zeit zu Zeit herzhaft durchzuschütteln. Am Ostersonntag sind es die Osterwitze, mit denen wir den Tod durch unser Gelächter weit hinter die Schranken der Unterwelt verbannen und ihm auch dort noch sein Regiment bestreiten (im Video-Gottesdienst zum 12. April finden Sie ein paar solche Osterwitze). Am 1. April ist es die Tradition des Aprilscherzes, die angeblich in Bayern bis auf das Jahr 1618 zurückgeht. Und in unserer Aprilkolumne können Sie in diesem Jahr ein paar harmlos-klerikale Witze lesen, denen es hoffentlich an Erheiterungswert nicht fehlt:

In der Religionsstunde wird die Frage behandelt, warum die Kirche das Fasten eingeführt hat. Zuerst herrscht verlegenes Schweigen, dann aber meldet sich der kleine Georg, selbst nicht der schlankste der Kinder seines Jahrgangs, und erklärt entschieden: „Damit es uns nicht zerreißt!“

Ein notorischer Zweifler betritt mit seinem Freund eine Kirche und bekreuzigt sich dabei. „Ich denke, du glaubst nicht an Gott?“ fragt der Freund. „Natürlich nicht“, sagt der andere, „aber weiß ich denn, ob ich recht habe?“

Ein Mann will aus der Kirche austreten. Der Pfarrer fragt ihn nach den Gründen. „Die Kirche gibt es nun seit fast 2000 Jahren“, sagt der, „aber die Menschheit ist dadurch nicht besser geworden!“ – „Seit Millionen Jahren gibt es Wasser auf der Erde“, antwortet der Pfarrer, „und nun sehen Sie sich einmal ihren Hals an …“

Wenn Sie selber noch mehr in dieser eher leichten und seichten Richtung nachlesen wollen, aus diesen beiden schon recht alten Büchlein habe ich die Geschichtchen geschöpft: Der klerikale Witz, herausgegeben von Hans Bemmann, dtv 1210, München 1976; und Gerd Heinz-Mohr, Das vergnügte Kirchenjahr. Heitere Ge-schichten und schmunzelnde Wahrheiten, GTB 217, Gütersloh 1974.

Und was wären heute gute Gründe, uns ein Lächeln abzuringen oder gar in schal-lendes Lachen auszubrechen? Sicher die eine oder andere tapsige Begebenheit, die wir daheim erleben oder in den Medien serviert bekommen. Und da wäre ja auch noch am 14. April die Erinnerung an den Film „Die Blechtrommel“, die vor 40 Jahren den Oskar für den besten ausländischen Film erhielt. Oder am 17. April die Erinnerung an „Houston, wir haben ein Problem“ vor genau 50 Jahren und an die Erleichterung, dass es am Ende für die Astronauten von Apollo 13 gut ausging. Am 19. Ap-ril vor 33 Jahren hatte die Familie Simpson in einem Kurzfilm in einer Fernsehshow ihren ersten Auftritt. Und am 20. April des Jahres 1964 – rechtzeitig im Jahr vor mei-ner Geburt – lief im italienischen Ort Alba das erste Glas Nutella vom Band.

Weiter als bis zu diesem Wochenende rund um den 20. April denken und planen wir derzeit ja nicht. Aber solche und viele andere persönliche Erinnerungen könnten uns doch gewahr werden lassen, dass es im Leben auch die eine oder andere schöne Erinnerung und ein paar alltägliche Gründe für ein Lächeln gibt …

Ihr
Pfarrer Dr. Stefan Koch



Verfasst im März 2020

Spurensuche nach mehr Leben, Liebe und Glauben

Spurensuche nach mehr Leben, Liebe und GlaubenDieser Aufgabe verschreiben sich die diesjährigen ökumeni-schen Exerzitien in Starnberg, die in jedem Jahr im März stattfinden. Vier Wochen lag geht es in ihnen um die vier Elemente Erde, Feuer, Wasser und Luft. Eine feste Gruppe trifft sich am Abend des Dienstags zum persönlichen Aus-tausch über die eigenen Erfahrungen mit den Elementen unter der Woche.

Aber auch wer nicht an der festen Gruppe teilnimmt kann mit dabei sein. In der ersten Woche (KW 10) geht es ums Durchat-men, also um unser Einatmen, Ausatmen und Aufatmen. Eine Übung, die Sie dabei begleitet, könnte sein, immer wieder auf den eigenen Atem zu achten, wie er sich im Lauf des Ta-ges in unterschiedlichen Situationen verändert. Diesen Atem hat Gott uns eingehaucht, als er uns zu einem lebendigen We-sen gemacht hat. Diesen Atem nimmt Gott wieder von uns, wenn wir in die Ewigkeit eingehen dürfen.

In der zweiten Woche (KW 11) suchen wir nach Erdung. Wahr-scheinlich gibt es den Traum vom Fliegen, der Menschen so fasziniert, deshalb, weil wir mit einer Erdenschwere ausge-stattet sind. Fliegen können ist wohl eher ein Wunsch. Bo-denhaftung ist ein Bedürfnis. Eine Woche lang könnten sie nachsehen, wo sich etwas davon zeigt.

In der dritten Woche (KW 12) sind wir noch näher an unserem Leib dran, der bekanntlich zu großen Teilen aus Wasser be-steht. Wir sind nicht nur nah am Wasser, wir sind auch aus Wasser gebaut. Für das Rauschen von Wellen – es ist manchmal bei genug Südwind auch am Starnberger See zu hören – fahren Menschen ans Meer. Die Bibel weiß um die schöpferische und um die zerstörerische Wirkung von Wasser, sie verbindet es mit Rhythmus und Ordnung, aber auch mit Unruhe und Chaos. Wissen Sie schon, was Sie derzeit in Unruhe versetzt und was Sie beruhigt?

In der vierten Woche der Exerzitien (KW 13) schließlich ge-hen Feuer und Geist geschwisterlich Hand in Hand. Der christliche Glaube setzt auf Begeisterung und hofft, dass wir Feuer und Flamme für Gott sind. Als Menschen wissen wir mehr von glühender Liebe untereinander. Aber warum nicht von da aus aufmerksam werden für unseren Alltag zwischen Himmel und Erde?

Wenn Sie mögen, machen Sie doch in diesem Jahr die Exerziti-en mit, indem Sie die genannten Wochen gedanklich mitgehen. Im nächsten Jahr können Sie sich dann auch zur wöchentlichen Gruppe anmelden.

Ihr
Pfarrer Dr. Stefan Koch



Verfasst im Februar 2020

„Ihr sollt ein Segen sein“

Ihr sollt ein Segen seinDieser Februar macht wieder einmal Überstunden. Alle Menschen, die am 29. Tag des Monats Geburtstag haben, können am tatsächlichen Datum auch ihren Ehrentag feiern! In unserer Kirchengemeinde sind das einige. Nach § 168 des Bürgerlichen Gesetzbuches gilt für sie sonst immer der 28. Februar als „Ablauftag“, sodass sie quasi erst am 1. März ein Jahr älter werden. Das historisch berühmteste Geburtstagskind ist vermutlich Leo von Klenze, den man in Süddeutschland als Maler, Architekt und Schriftsteller der Epoche des Klassizismus kennt. Der eine Tag mehr soll kleine Ungenauigkeiten im astronomischen Jahr ausgleichen, die in einem Kalenderjahr mit 365 Tagen auftreten. Weil in der römischen Zeit, aus der unser zweiter Monat auch noch seinen Namen hat, der Februar der letzte Monat im Jahr war, wurden notwendige Ausgleichstage dann dort angehängt.

Das in Herrnhut in der Oberlausitz für den 29. Februar ausgeloste biblische Wort zum Tag („Tageslosung“) steht im Buch des Propheten Sacharja (Sach). Dieses Buch strotz vor froher Erwartung: was Gott seinem Volk versprochen hat, wird in allernächster Zeit eintreffen. Die Menschen mögen daraus bitte jetzt schon Konsequenzen ziehen! Das geht so weit, dass der Prophet sogar Trauernden empfiehlt, mit dem Fasten aufzuhören (Sach 8,18-19). Woher hat der Prophet diese Gewissheit? Sein Buch enthält als Kern acht „Nachtgesichte“, die ihm einen Blick in die nächste Zukunft ermöglichen. Es ist, als wüssten wir heute schon, wie die Kommunalwahlen am 15. März ausgehen werden. Zudem betonen diese Nachtgesuchte, dass auch Jerusalem gereinigt und böse Völker bestraft werden. Am Ende (Sach 8,23) findet sich die große Hoffnung, dass schließlich alle Ethnien auf Erden friedlich nach Israel pilgern werden, wo auf dem Berg Zion der Tempel Gottes auf sie wartet. Der Kontrast zu unserer Gegenwart könnte also größer gar nicht sein, weder was berechtigte Hoffnungen auf Frieden im Nahen Osten angeht, noch was unsere Fähigkeit betrifft, getost in die Zukunft zu gehen. Dennoch sollte das biblische Wort zum Schalttag aus dem Buch des Propheten Sacharja auch für uns ein Ansporn sein: „Ich will euch retten, dass ihr ein Segen sein sollt.“ (Sach 8,13)

Dass wir seit unserer Taufe unverbrüchlich mit Gott verbunden sind, wissen wir. Die biblische Tradition beschreibt das gerne mit dem Wort „gerettet“. Sodass wir an uns selbst erleben können, dass die heilvolle Erwartung bei Sacharja sich an uns schon erfüllt hat. Bleibt uns, nun auch den zweiten Teil der Ankündigung zu realisieren. Entweder als Geburtstagskind an diesem Tag, der ja auch noch ein Samstag ist, vielleicht durch eine kleine Feier mit den Menschen, die wir gerne wieder einmal fröhlich um uns haben. Und für alle anderen als ein Tag, an dem wir uns darüber vergewissern, den Menschen, die uns wichtig sind, den Segen Gottes auch wirklich spüren zu machen, wozu wir mit der Taufe beauftragt sind. Wir haben immerhin einen langen Februar Zeit, uns dazu ein paar Gedanken zu machen.

Gute Ideen dafür wünscht Ihnen!

Ihr
Pfarrer Dr. Stefan Koch

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